Japan jenseits der Kirschblüte: Warum der Herbst die eigentlich beste Reisezeit ist
- Florian

- vor 1 Tag
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Die Kirschblüte (Sakura) im Frühjahr ist weltberühmt, doch sie hat drei entscheidende Nachteile: Sie ist extrem kurzlebig, die Preise für Unterkünfte explodieren und die beliebtesten Tempel sind hoffnungslos überlaufen.
Wer Japan von seiner authentischen, entspannten und farbenprächtigsten Seite erleben möchte, sollte seinen Blick auf den Herbst (Oktober bis Anfang Dezember) richten. Hier sind die Gründe, warum der japanische Herbst (Koyo) der heimliche Star des Reisekalenders ist.
1. Das Naturschauspiel: Momiji statt Sakura
Während die Kirschblüte oft nach einer Woche vorbei ist, wandert die herbstliche Laubfärbung über zwei Monate hinweg von Norden (Hokkaido) nach Süden.
Die Farben: Das tiefe Purpurrot der Ahornbäume (Momiji) und das leuchtende Gold der Ginkgo-Bäume verwandeln Parks und Tempelanlagen in lebendige Gemälde.
Die Dauer: Da die Färbung je nach Höhenlage variiert, hast du ein viel größeres Zeitfenster für perfekte Fotos.
2. Das Klima: Perfekt für Entdecker
Der japanische Sommer ist berüchtigt für seine extreme Hitze und Luftfeuchtigkeit. Der Frühling hingegen kann oft noch recht wechselhaft und kühl sein.
Goldener Oktober & November: Es erwarten dich meist klare, tiefblaue Himmel und milde Temperaturen zwischen 15°C und 22°C.
Aktivitäten: Dies ist die beste Zeit für ausgiebige Stadterkundungen in Tokio oder Wanderungen auf alten Pilgerpfaden wie dem Kumano Kodo, ohne ins Schwitzen zu geraten.

3. Kulinarik: Die Zeit der "großen Ernte"
In Japan sagt man: "Im Herbst essen sich die Menschen satt." Die japanische Küche passt sich extrem stark den Jahreszeiten an (Shun).
Spezialitäten: Freue dich auf geröstete Maronen, fangfrischen Sanma-Fisch, Kürbisgerichte und die begehrten Matsutake-Pilze.
Streetfood: Nichts schlägt ein warmes Taiyaki (fischförmiges Gebäck) oder eine heiße Süßkartoffel an einem kühlen Herbstabend in Kyoto.
4. Entspannung in den Onsen
Japan ist das Land der heißen Quellen (Onsen). Bei 35°C im Sommer ist ein heißes Bad kaum zu genießen. Wenn jedoch die herbstliche Brise weht, wird das Bad im Freien (Rotenburo) mit Blick auf die roten Ahornbäume zu einem fast spirituellen Erlebnis.
Budget-Check: Herbst vs. Frühling
Faktor | Frühling (Sakura) | Herbst (Koyo) |
Flugpreise | Extrem hoch | Moderat (außer Ende Nov) |
Hotels | Oft Monate im Voraus ausgebucht | Bessere Verfügbarkeit |
Crowd-Level | Massentourismus pur | Belebte Hotspots, aber entspannter |
Pro-Tipp für deine Planung: Die beste Zeit für die Ahorn-Färbung in Kyoto und Tokio ist meist Ende November bis Anfang Dezember. Wer früher reist (Oktober), sollte die japanischen Alpen rund um Kamikochi oder den Norden (Tohoku) ansteuern.

Die 5 besten Fotospots für den japanischen Herbst
Hier sind die 5 spektakulärsten Orte in Japan, an denen du das berühmte Momiji (Herbstlaub) am besten einfangen kannst. Diese Spots sind nicht nur optisch ein Highlight, sondern bieten auch das perfekte „Futter“ für deine Social-Media-Kanäle.
1. Kiyomizu-dera Tempel (Kyoto)
Der Klassiker schlechthin. Die riesige Holzterrasse des Tempels scheint im Herbst über einem Meer aus brennend roten Ahornbäumen zu schweben.
Der Foto-Tipp: Besuche den Tempel während der Abend-Illumination. Die Bäume werden von unten angestrahlt, was einen fast surrealen Kontrast zum Nachthimmel bildet.
Beste Zeit: Ende November.
2. Chureito Pagode (Fujiyoshida)
Dies ist das ikonische Japan-Bild: Eine rote, fünfstöckige Pagode im Vordergrund und der schneebedeckte Mount Fuji im Hintergrund, eingerahmt von goldenem Laub.
Der Foto-Tipp: Komm zum Sonnenaufgang. Das Licht ist weicher und du teilst dir die Aussichtsplattform mit deutlich weniger Menschen als zur Mittagszeit.
Beste Zeit: Mitte November.
3. Hitachi Seaside Park (Ibaraki)
Hier gibt es keine Bäume, sondern die berühmten Kochia-Büsche. Diese runden, flauschigen Pflanzen verwandeln die Hügel des Parks im Oktober in eine tiefrote, wellenartige Landschaft.
Der Foto-Tipp: Nutze die geschwungenen Wege als „Leading Lines“, um Tiefe in dein Bild zu bringen. Der Kontrast zwischen dem roten Hügel und dem blauen Pazifik im Hintergrund ist einmalig.
Beste Zeit: Mitte bis Ende Oktober.

4. Metasequoia Avenue (Shiga)
Eine über 2 Kilometer lange Straße, gesäumt von rund 500 Metasequoia-Bäumen (Urweltmammutbäumen). Im Herbst färben sich diese in einem leuchtenden Rost-Orange.
Der Foto-Tipp: Ein Foto direkt von der Straßenmitte (Vorsicht auf den Verkehr!) mit einem Teleobjektiv lässt die Allee unendlich lang und symmetrisch wirken.
Beste Zeit: Anfang Dezember.
5. Arashiyama Bambuswald & Togetsukyo-Brücke (Kyoto)
Während der Bambus das ganze Jahr über grün bleibt, explodieren die umliegenden Berge in Arashiyama im Herbst in Gelb- und Rottönen.
Der Foto-Tipp: Fotografiere die Togetsukyo-Brücke vom Flussufer aus, sodass sich die bunten Farben der bewaldeten Hänge im Wasser spiegeln.
Beste Zeit: Ende November.
Zusatz-Tipp: Wer diese Spots besucht, sollte die "Momiji-Pass" Vorhersagen nutzen. Es gibt in Japan spezielle Apps und Webseiten, die tagesgenau anzeigen, wo die Laubfärbung gerade ihren Höhepunkt (Peak) erreicht hat.

Fazit Japan jenseits der Kirschblüte: Warum der Herbst das "bessere" Japan-Erlebnis bietet
Wer Japan liebt, kommt an der Kirschblüte kaum vorbei – doch wer Japan verstehen und genießen will, reist im Herbst. Japan jenseits der Kirschblüte- das Naturschauspiel der leuchtenden Ahornbäume (Momiji) steht der Sakura in Sachen Ästhetik in nichts nach, bietet aber einen entscheidenden Vorteil: Zeit. Während die Kirschblüte ein flüchtiger Moment ist, der oft nach wenigen Tagen im Regen endet, schenkt dir der Herbst beständiges, klares Wetter und ein Farbspektakel, das sich über Wochen hinweg durch das ganze Land zieht.
Dein Herbst-Vorteil auf den Punkt gebracht:
Entspanntere Planung: Das Zeitfenster für die Laubfärbung ist deutlich größer und verlässlicher.
Aktives Erleben: Bei milden 20 Grad machen Wanderungen und Stadttouren deutlich mehr Spaß als in der feuchten Frühjahrskälte oder der Sommerhitze.
Kulinarischer Reichtum: Keine andere Jahreszeit zelebriert ihre saisonalen Köstlichkeiten so intensiv wie der japanische Herbst.
Unser Rat: Tausche das hektische Rosa des Frühlings gegen das tiefe Gold und Rot des Herbstes ein. Du wirst Japan nicht nur mit schöneren Fotos verlassen, sondern auch mit der Gelassenheit, die diese Jahreszeit so besonders macht.





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